| Richtiges Tanzen? | Zimbel, schwer oder leicht? |
| Wie gut ist meine Trainerin? | Meinungen zum Schlangentanz |
| Warum OT | persischer Tanz |
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.
Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und falsch heisse uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab!
Aus: "Also sprach Zarathustra by Friedrich Wilhelm Nietzsche"
"Solo Improvisationstanz der Frauen (Raks e Shahri, Raks e Tehrani)"
Persien (Iran) hat mit einer langen Geschichte, einer großen Fläche (heutige Fläche ca. 5 mal so groß wie Deutschland) und über 70 Millionen Einwohnern von verschiedenen Stämmen (u.a. Azeri, Kurd, Baluch, Turkmen, Lor) unterschiedliche Folklore-, regionale-, klassische- und Improvisations-Tänze anzubieten. Raks e Tehrani (Tanz der Hauptstadt Teheran) ist ein ziemlich moderner Tanz, welcher heutzutage sowohl von Frauen als auch von Männern getanzt wird. Bei diesem Tanz schmelzen das Publikum und die Tänzer / Tänzerinnen zusammen. Bei jeder Feier (Verlobung, Geburtstag, Hennazeremonie vor der Hochzeit, Hochzeit) wird getanzt. Man braucht aber keine Feierlichkeit um tanzen zu können.|
Kaum sind ein paar Frauen zusammen, greift eine ältere Dame die Tambourine oder Trommel, welche fast in jedem Haushalt existiert(wenn auch nicht, reicht ein Tablett als Tambourine und ein Topf als Trommel) und spielt alte, bekannte Lieder, und schon tanzen fast alle los und die, die nicht tanzen feuern die Tänzerinnen mit dem Klatschen und Fingerschnippen an. Diese Unterhaltungsform war keine Bühnenpräsentation, wurde nicht geübt oder unterrichtet, sondern einfach aus dem Bauch getanzt.
Teheran wurde im Jahr 1786 von Agha Mohammad Khan, dem Gründer der Qajar Dynastie (1794-1925) in der Nähe der historischen Stadt Ray als Haupstadt genannt. Frauen waren in Harems isoliert und kümmerten sich um den Haushalt und die Kinder (das wurde auch von den Hausmädchen und Bedienungen übernommen und sie hatten eigentlich nicht viel zu tun). |
|
Leben in der Stadt war anders als in den Dörfern wo die Frauen sich an der Arbeit (Landwirtschaft, Teppich knoten, Tiere, u.s.w.) beteiligen. Kurz und schmerzlos hatten die Frauen viel freie Zeit. Religiöse Zeremonien wie z.B. das Festival von Ashura boten die einzige sozialen Gelegenheiten an, an denen die Frauen auch Teilnehmen durften. Wöchentliche Hammam-Zeremonie und gelegentliche Rowze-Khani (ein Mulla wurde zu Hause bestellt, predigte und rezitierte Trauerlieder um das Martyrium der schiitischen Imams, Frauen haben geheult und so haben sie sich einen Platz im Paradies gesichert) waren Unterhaltungsangelegenheiten der Frauen in der Stadt. Anständige Damen durften nicht ohne Begleitung auf die Straße und das auch nur total verhüllt in den Chador. Es war eine große Schande für jeden Mann, falls seine Mutter, Frau, Tochter oder Schwester auf der Straße erkannt und angesprochen wurde. Das hat sich auch nach der Entmachtung der Qajar Dynastie und Krönung von Reza Shah (1925) (Gründer der Pahlavi Dynastie) nicht viel geändert. Obwohl Reza Shah sich einen modernen Iran gewünscht , Frauen viele Freiheiten gegeben (er hat die ersten Schulen für Frauen gegründet, in 1936 Zwangs-Enthüllung der Frauen gefordert), hat versucht Mullas zu entmachten, spielten Religion und Tradition eine wichtige Rolle im Iran. Die Ehen wurden von den Eltern arrangiert und wenige Frauen wagten sich ohne Schleier auf die Straße und in die Öffentlichkeit zu gehen. Trotzdem hat sich das soziale Leben peu a peu geändert, die Frauen wurden wagemutiger, gingen in die Schule, studierten und durften auch als Lehrerinnen, Krankenschwester, u.s.w. Arbeiten. Kehren wir Zurück zum Ende der Qajar und Anfang der Pahlavi Dynastie zurück. Die Frauen brauchten Beschäftigung und Unterhaltung (damals gab es kein Radio und keinen Fernseher geschweige von dem Internet und Chat). Nach der Rowze-Khani- Zeremonie und nach dem der Mulla ging (und wenn jede Frau Ihren gewünschten Platz im Paradies reserviert hatte )wurden Musiker bestellt. Diese Gruppen bestanden aus Männern und Jungen, deren Augen verbunden wurden, damit sie die Frauen ohne Schleier nicht anschauen konnten oder wurden hinter einem undurchsichtigen Vorhang platziert. Nüße, frisches oder getrocknetes Obst, Tee und Süßigkeiten wurden reichlich serviert und Wasserpfeife wurde geraucht. Dann ging es los mit dem Tanzen. Das war die beste Gelegenheit sich von dem Alltag Frei zu machen, die heiratsbereiten Töchter zu präsentieren oder für die reifen Söhne eine Frau zu suchen. Das war eine Kombination aus Theater und Tanz (z.B. Amu Sabzi Forush, Moorche Dare), Frauen tanzen in der Mitte und wurden von den anderen angefeuert, dann haben sie ihren Platz den anderen gegeben. Sie erzählten dabei ihre Lebensgeschichte und ihre Eheprobleme, beschwerten sich über untreu Männer, ungehorsame Kinder oder Tyranie der Schwiegermutter. Nur ältere Damen haben nicht getanzt. Mit dem sozialen Engagement der Frauen verloren diese Feiern ihre Wichtigkeit und ihre Häufigkeit. Der Tanz blieb aber ein untrennbarer Teil der Gesellschaft. Bei diesem Tanz wie auch bei allen anderen orientalischen Tänzen sind der Gefühlsausdruck und Emotion wichtiger als die Bewegung und Technik. Isolation ist nicht so wichtig wie bei dem Raks Sharqi. Der Oberteil (Kopf, Hals, Schulter, Arme, Hände,auch Augenbrauen und Lippen) sind mehr aktiv als die Hüfte und die Beine. Geschmeidige Hand- und Armbewegung, Kopfdrehung und Mimik sind die Merkmale dieses Tanzes. Nach der Revolution von 1978 im Iran und Eroberung der Mullas wurde jede Art von Tanz im Iran streng verboten, trotzdem wird dieser Tanz heimlich und begrenzt unter der Gymnastik- und Aerobik- Kurs Tarnung für eine ausgewählte Kundschaft unterrichtet und wird bei jeder Gelegenheit überall im Iran, neben den regionalen und folkloren Tänze und weltweit wo Iraner leben leidenschaftlich getanzt. Für die Bühnenpräsentation werden oft traditionelle Kostüme der Qajar Dynastie verwendet. Für Familienfeiern, in der Disco u.s.w. tanzt Mann bzw. Frau mit dem normalen Outfit.
Zurück zur Startseite
Diese Datei wurde zuletzt geändert am Sunday, 24-Aug-2008 13:39:53 CEST

